Jul 13 2009

Schweinegrippe und ihre Konsequenzen

Eigentlich hatte ich ja beim letzten Mal schon gehofft, dass diese Geschichte endlich mal ein Ende nimmt, aber irgendwie kann ich immer noch einen draufsetzen.

Daher zur Zusammenfassung nochmal die einzelnen Kapitel:

Teil 1: Ich war unterwegs im Namen des Herrns, erm…der Firma. Dort wurde ich krank und bin zum Arzt gegangen. So weit so schlecht. Dann bin ich daheim sicherheitshalber nochmal zu meiner Hausärztin gegangen, die mich melden musste, weil ich in einem (oder mehreren Ländern) war, welches eine H1N1-Risikoland ist.

Ergebnis: Ich sollte Heim-Quarantäne machen, bis der Test auf Schweinegrippe negativ ist. Einziges Problem: Ich hatte nur Husten. Kein Fieber, keine Kopfschmerzen oder irgendwelche anderen Grippesymtpome.

Teil 2: Das Gesundheitsamt hat – meiner Meinung nach – ein wenig übertrieben und das Labor brauchte für die Diagnose nochmal extra Zeit. Begleitet wurde das ganze von Sachen, über die man sich eigentlich nur noch totlachen kann.

Teil 3: Die Rechnung meiner Hausärztin. Für Nicht-Mediziner sehr lustig formuliert… 😉

An dieser Stelle möchte ich aber nochmal anmerken, dass meine Hausärztin wirklich klasse ist. Ich habe jedes mal das Gefühl, mehr als gut behandelt zu werden, sie ist professionell und würde wirklich nichts auf sie kommen lassen!

Immerhin dachte ich, die Geschichte wär’ nun endlich vorbei. Aber es sollte noch besser kommen…

Die Tage bekam ich dann Post von dem Labor, welches die Speichelproben untersuchen und feststellen sollten ob ich dann auch wirklich keine Schweinegrippe habe.

Der Inhalt: Eine Rechnung

Rechnung für die Diagnose auf H1N1

Der Diagnosespass soll 230 Euro kosten?!

Ich bin dann gleich zu meiner Hausärztin gefahren. Als ich in die Praxis reinging, empfing mich die Dame hinter dem Tresen schon mit einem breiten Grinsen. Ich zeigte ihr die Rechnung und sie war wirklich sehr überrascht, wie teuer eine solche Diagnose ist.

Meine Hausärztin erklärte mir darauf, dass es wohl ein Test ist, mit dem wirklich die allergeringsten Spuren von den H1N1-Erregern genetisch festgestellt werden können. Deswegen ist der sehr aufwendig und entsprechend teuer.

Da ich diesen Test nicht machen wollte und ich auch keine Symptome einer Influenza hatte, dachte ich mir, man könnte es ja zumindest versuchen, indem ich bei dem Labor mal anrufe und nachfrage, warum das Gesundheitsamt das nicht bezahlt. Naja..da war nur ein wirklich unfreundlicher Mitarbeiter am Telefon, der mir nochmal unmißverständlich klarmachte, dass ich das zu zahlen habe. Dankeschön für die freundliche Antwort…

Also nochmal beim Gesundheitsamt angerufen. Mein Lieblingsansprechpartner (Doktor weissnichtwas) war leider im Urlaub, sodass ich mit der Sekretärin gesprochen habe. Sie war zur Abwechslung wirklich nett, freundlich und wir haben gut über das Thema sprechen können. Aber: Ich (bzw. meine Krankenkasse) muss diese unfreiwillige Untersuchung zahlen.

Also hat mich dieser ganze Spass über 300 Euro gekostet. Und das nur, weil ich freiwillig nochmal zum Arzt gegangen bin, weil ich dem senegalesischen Arzt und seiner Diagnose nicht über den Weg getraut habe…

Was bedeutet das nun?

Jedes Mal, wenn ich beruflich (also nichtmal freiwillig) in einem Land war, welches nach Ansicht vom Gesundheitsamt (und entsprechend dem Robert Koch Institut) ein Schweinegrippen-Risikoland ist, bin ich beim nächsten Arztbesuch erstmal pauschal ein Verdachtsfall und muss wieder diesen Test für über 230 Euro machen. Natürlich auch wieder mit Heimquarantäne, usw.

Da überlegt man sich doch schonmal, ob man überhaupt noch zum Arzt geht und/oder ob man sagt, wo man alles gewesen ist.

Das hat natürlich zur Konsquenz, dass man bei einer echten Infektion erstmal fleissig andere Menschen ansteckt und die Ausbreitung der Krankheit nur noch fördert.

Das Beste kommt noch: Seit kurzem ist Spanien auch ein Risikogebiet. Ich wünsche den Gesundheitsämtern, Laboren und Hausärzten jetzt schon viel Spaß, wenn alle Mallorca-, Kanaren- und Südspanienurlauber nach dem Urlaub zum Arzt gehen…



Jul 2 2009

Zum Thema “Schweinegrippe” (letzter Teil)

Naja..ich hoffe zumindest, dass es der letzte Teil ist. Ich hatte ja schon über meine Erfahrungen hier und hier geschrieben und Alex hatte ja bereits darüber getwittert, aber jetzt für alle nochmal das i-Tüpfelchen, was per Post reinkam.

Die Rechnung von meiner Hausärztin:

Rechnung vom Arzt

Danke, dass ich jetzt auch weiss, dass ich mindestens ein Organsystem habe, was keine Schweinegrippe hat und dass sich meine Lebensgestaltung mindestens 20 Minuten neu erörtert hat.

Das Ganze dann zum Sonderpreis von nur 93,85Euro! Ein echtes Schnäppchen!



Jun 23 2009

Zum Thema “Schweinegrippe” (Teil 2)

Eigentlich dachte ich, die Sache von gestern hätte sich so langsam erledigt, aber es gibt tatsächlich noch einen drauf zu setzen:

Beim Labor versprach man mir, wenn die Probe bis 15 Uhr eintrifft, dann würde ich bis 19 Uhr das Ergebnis bekommen – noch am selben Tag. Also ging ich nur von einer kurzzeitigen Heimquarantäne aus. (Was hätten wohl meine Nachbarn gesagt, wenn sie es gewusst hätten?)

Naja, zumindest bekam ich am Abend dann einen Anruf von meiner Hausärztin. Sie meinte, dass sich bei ihr sich noch niemand gemeldet hat und dass ich wohl erstmal abwarten muss.

Na toll.

Am nächsten Morgen hab’ ich dann erstmal so gegen 8 Uhr beim Labor angerufen.

Nach gefühlten vier Minuten ging dann endlich jemand dran (ok, leider nur ein Computer, aber egal…):

Alle unsere Leitungen sind im Moment besetzt, wir verbinden sie mit unserem nächsten freien Mitarbeiter” (gefolgt von schlechter Warteschleifenmusik)

Die können mir nicht wirklich weissmachen, dass auf einem Dienstagmorgen um 8 Uhr alle Mitarbeiter an der Strippe hängen, oder?

Weitere fünf Minuten später dann endlich:

– “Labor Krohne, schönen guten Tag

– “Ja, schönen guten Morgen, X mein Name. Ich wollte mal fragen, ob sie schon ein Ergebnis zu meiner Untersuchung haben.

– “Ok, einen Moment bitte

(einen Moment später)

– “Wir haben von ihnen keine Probe vorliegen!

– “Bitte was?! Ich hab das extra mit einem Taxi zu ihnen fahren lassen!

– “Nee, hier ist nichts.” (Ruft in den Hintergrund) “Hat hier jemand gestern ne Probe von nem Taxifahrer angenommen?” (Pause) “Oh, doch…hier ist was…moment bitte

(Wieder Warteschleifenmusik)

Das Ergebnis ist leider noch nicht fertig. Braucht etwa noch eine Stunde. Wir melden uns dann.

– “Ok, danke. Ich warte dann auf ihren Rückruf.

Gegen 10 Uhr – zwei Stunden später – klingelt dann mein Handy mit einer Rufnummer aus Gütersloh. Doch anstelle des Ergebnisses der Leiter des Gesundheitsamtes. Ich hatte in dem Moment wenig Zeit zum Telefonieren, das hat ihn aber nicht wirklich interessiert. Er fing an, mich zu belehren, dass ich in Quarantäne muss, dann bitte noch eine Liste mit allen Leuten mit denen ich in den letzten sieben Tagen Kontakt hatte, blabla, blubb, Liste sofort per Fax schicken, blabla, ja, eMail geht auch, bla blubb, und so weiter – ich hab’ irgendwann abgeschaltet. Am Ende meinte er, dass das Ergebnis vom Test noch nichtmal klar ist, er würde sich dann aber melden.

Achja, und wenn ich die Schweinegrippe hatte, dann müsste ich mindestens sieben Tage lang in Quarantäne und meine engeren Freunde/Bekannten auch. Und der erste von den beiden Tests wäre ja Positiv…

Den Rest erspare von dem Gelaber erspar’ ich euch hier mal, es würde die Seite sprengen…

Hallo?

Ich hab kein Fieber, keine Halsschmerzen, keine sonstigen Schmerzen, nur noch ein wenig trockenen Husten. Also keinerlei Symptome der Schweinegrippe. Ich habe die nicht! Warum versteht das denn keiner?!

Am Nachmittag kam dann endlich der erlösende Anruf. Ergebnis negativ. Was für eine Überraschung…

Was ich daraus gelernt habe?

Wenn man die Schweinegrippe nicht hat, so bekommt man von dem Schwachfug und blinden Aktionismus, der vom Gesundheitsamt getrieben wird eher Rinderwahn als alles andere… 😉



Jun 22 2009

Zum Thema “Schweinegrippe”

Ich weiss, dass dieses Thema ja schon fast wieder “out” ist, aber ich muss da auch noch eine Geschichte zum besten geben:

Ich bin gestern von einer längeren Tour wiedergekommen. Daher habe ich auch so einige Länder bereist. Brasilien, Argentinien und Senegal waren im Programm.

Da ich mir irgendwo was eingefangen hatte (Kopfschmerzen, Husten, Gliederschmerzen, Fieber, …), war ich die letzten vier Tage in Dakar krank und natürlich auch bei einem Arzt, der mir nen Haufen an Medikamenten verschrieben hat. Gestern ging es mir schon wieder sehr gut und ich hatte nur noch ein wenig Husten. Sonst nichts weiter.

Trotzdem, so dachte ich mir, wäre es vielleicht besser, hier nochmal meine Hausärztin aufzusuchen. Also in der Praxis heute morgen angerufen:

– “Hallo, hier Praxis Dr. X

– “Hallo hier ist Y, ich bräuchte heute noch einen Termin

– “Kein Problem, kommen sie gegen halb 11 vorbei, dann nehmen wir sie so dazwischen. Worum geht’s denn?

– “Hab mir unterwegs was eingefangen, hab aber nur noch etwas Husten…also nur so zur Sicherheit

– “Unterwegs?

– “Ja, war in Südamerika und Afrika

– (Pause) “Ok, dann kommen sie um 12 kurz vor der Mittagspause, damit sie gleich durchgehen können

Da musste ich dann schon das erste Mal ein wenig schmunzeln, aber was solls. Die Medien haben ja schließlich genug Panik um diese Schweinegrippe gemacht.

Als ich um 12 dann bei meiner Hausärztin war, wurde ich sofort zum Warten wieder vor die Tür gestellt. Bin ich denn ein Aussätziger?! Naja, zum Glück hat es nicht geregnet und ich konnte das schöne Wetter geniessen.

Nachdem sich meine Hausärztin auch davon vergewissert hatte, dass ich wirklich nur Husten habe, musste sie beim Gesundheitsamt anrufen, um nachzufragen, wie sie weiter zu verfahren hat – ich war wohl ihr erster Patient.

Die meinten, dass ich allein schonmal wegen der Tatsache, dass ich in der Zeit in Ländern mit Schweinegrippe war, wäre ich jetzt ein Verdachtsfall. Ich muss jetzt sofort Nasenschleimhaut- und Rachenabstriche machen lassen, damit das in einem Labor auf Schweinegrippe untersucht werden kann. Bis dahin soll ich nach Hause fahren und das Haus bis zum Ergebnis des Labors nicht mehr verlassen.

So weit so schlecht. Blöd nur, dass das Labor in Bad Salzuflen liegt. Also mal locker über 30km weit weg. Das Amt meinte dann noch, ich müsse auch selbst zusehen, wie die Probe dahin kommt. Also mit einem Taxi oder ich bringe es gerade selber hin.

Hallo? Haben die noch alle Latten am Zaun? Wie blöd kann man als Gesundheitsamt sein? Entweder soll ich zwei Probenröhrchen ne Taxifahrt im Wert von 50 Euro sponsern oder selbst als doch ach-so-aussätzig-Kranker mit Hausarrest 1,5h durch deutsche Lande fahren und alle auf meinem Weg anstecken?

Ich bin gespannt, was der Tag noch so bringt…