Mrz 12 2012

Traumberuf Pilot

Nicht nur für Kinder ist ja für viele Menschen der Pilotenberuf ein Traumjob. Auch diverse Airlines wie zum Beispiel Air Berlin und Lufthansa zeichnen ja den Piloten auch gerne in schicker Uniform, RayBan-Sonnnebrille und ein paar jungen, hübschen Stewardessen an der Seite…

Wollt ihr also auch mal in den Genuss kommen und echt detaillierte Einblicke in das spannende und aufregende Fliegerleben bekommen, ist hier eine kleine Anleitung. Quasi ein Pilotensimulator statt dröger Flugsimulatoren… 😉

1. Bleibe die ganze Nacht wach

2. Setze dich auf den unbequemsten Stuhl den du hast – in einem Schrank – und schaue auf ein zwei Meter breites Poster von einem Cockpit.

3. Lass zwei oder drei laute Staubsauger auf höchster Stufe laufen. Dabei die Staubsauger so platzieren, dass sie zwar außerhalb der Sichtweite, aber deutlich hörbar sind. Wenn ein Staubsauger ausfällt, benutze die entsprechende Restart-Checkliste.

4. Auf der Hälfte deines nächtlichen Simulatorfluges, lass eine grell leuchtende Taschenlampe für ca. zwei bis drei Stunden direkt in dein Gesicht scheinen, um den Sonnenaufgang bei Ostflügen zu simulieren.

5. Lass dir verkochtes Essen auf einem Tablett in der Mitte der Nacht servieren.

6. Von Zeit zu Zeit trinke etwas kalten Kaffee. Bitte deine Frau, die Schranktür regelmäßig zuzuschlagen.

7. Wenn du auf Toilette musst weil der Kaffee durchkommt, stelle dich für mindestens zehn Minuten vor deine Badezimmertür. Dabei das Gewicht von einem Bein auf das andere verlagern, um es etwas erträglicher zu machen. Vergiss nicht, deine Mütze dabei zu tragen!

8. Verlasse den Schrank nach den festgelegten neun oder zehn Stunden, stelle deinen Rasensprenger an und stehe für 20 Minuten draußen in der Kälte, um auf den “Hotelbus” zu warten.

9. Gehe zusammen mit deinem Gepäck und dem Pilotenkoffer zu deinem Schlafzimmer. Warte vor der Tür bis deine Frau aufsteht, um die Zeit zu simulieren, die benötigt wird um dein Zimmer vom Roomservice herrichten zu lassen.

10. Wenn deine Ehepartnerin fragt, was zur Hölle du die ganze Nacht gemacht hast, antworte einfach “Ich habe die Faszination eines Nachtfluges zu romantischen Orten geübt” und falle tot ins Bett.

11. Liege für mehrere Stunden wach und hör eine Aufnahme von startenden und landenden Flugzeugen. Füge unregelmäßige Geräusche von einer Eismaschine, einem Aufzug und einem Saubsauger, der an deine Zimmertür schlägt, hinzu. Stelle den Fernseher im Nachbarzimmer auf höchste Lautstärke. Schlafe “entspannt” für drei Stunden, stehe danach wieder auf.

12. Nimm eine Dusche mit kaltem Wasser.

13. Zahle €20 für einen Bagel und einen Pott Kaffee.

14. Wenn du ein Purist bist, mache die oben genannten Punkte drei Nächte in Folge.

 

Viel Spaß beim Simulieren! 😉

(Und wenn Ihr noch mehr über das lustige Leben in der Luft lesen möchtet, kann ich Euch das Buch von einem Kollegen empfehlen. Ich habe “Abgeflogen” hier für EUch rezensiert.)



Jan 13 2011

Realität vs. Simulation

Ein Kollege meinte mal zu mir “Fliegen, das ist 99% Langeweile und 1% schierer Wahnsinn.“. Gut, es sei mal dahingestellt, ob dieser Satz so richtig ist oder nicht.

Trotzdem (oder gerade deswegen) muss man als Pilot mehrere Male pro Jahr in den Simulator, um die Situationen zu trainieren, die einem im Arbeitsalltag schonmal das Essen im Lieblingsrestaurant am Zielort versauen können, weil man plötzlich ganz woanders (zwischen-)landen muss, als man wollte…

Oft bekommt man von fliegerisch Unbeteiligten die Frage gestellt, wie realistisch dann so ein Flugsimulator überhaupt ist. Aus ein paar Videoschnipseln hat mein Freund Alex deswegen dankenswerterweise ein kleines Video zusammengebastelt, was mal zeigt wie ein Anflug im Simulator und in echt auf denselben Flughafen so aussieht. Wenn ihr euch noch mehr für Simulatoren interessiert, und zwar nicht im fliegerischen Bereich, dann schaut euch mal seinen Bericht vom Mercedes Fahrsimulator an!

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Leider war das Simvideo mit einer alten Digicam aufgenommen worden, daher ist die Qualität leider etwas schlechter geworden.



Mai 23 2009

Flugsimulator für grosse Kinder

Desöfteren hört man ja, dass Piloten in den Simulator müssen. Aber was ist eigentlich genau damit gemeint?

Naja..heute will ich zumindest mal ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

Die Simulatoren selbst werden von den Airlines einmal zur Umschulung auf einen neuen Flugzeugtyp benutzt (“Typerating”) und dann vor allem zum sogenannten “Recurrent-Training”. Also alles das, was man im echten Fliegerleben nie haben möchte, wofür man hier und da aber einfach mal ein bisschen üben muss.

Ich hatte neulich mal die Chance mir so ein Ding von aussen und innen ‘anzusehen’.

Simulator von aussen

Dieser Simulator hier steht in Frankfurt und wird von der Lufthansa Flight Training für Schulungen von Piloten der Lufthansa Cargo betrieben, die diesen Flieger – eine McDonnell Douglas MD-11 – im Liniennetz einsetzen.

Simulatorhalle

Neben dem Sim für die Cargo stehen hier aber auch noch eine Menge weiterer Simulatoren – insgesamt werden es wohl mehr als 12 Stück sein. Quasi ein riesiges Spielzeugparadies für große Kinder… 😉

Naja..zurück zu unserem Simulator…

Das wirklich nette an dem Ding ist, dass sich die ganze Kiste auch noch bewegen kann und dadurch der Eindruck entsteht, man wäre am fliegen. Klar, dass gerade die Beschleunigung beim Start nur durch Neigung des Simulators nach hinten simuliert wird und daher nicht ganz echt ‘rüberkommt, aber es macht schon ne Menge Spass. Besonders witzig ist es dann, wenn man im Flug Turbulenzen einschaltet… 😉

Innen mit Blitz

Von innen sieht das Ganze schon ein bisschen mehr nach einem Flugzeug aus. Im Eingangsbereich gibt’s ein paar Ablagemöglichkeiten und der Sitzplatz für den Ausbilder, der von dort aus den Simulator und die ganzen Einstellungen steuern kann.

Vor ist dann das eigentliche Cockpit, welches meistens aus Originalteilen des jeweiligen Fliegers zusammengebaut wurde. Die Rechner dort an Bord “glauben” also überwiegend, dass sie wirklich fliegen.

Anstelle der ca. 4cm dicken vrderen Fenster sind ganz normale Scheiben eingebaut, wo dahinter das Bild mit ein wenig Optik projeziert wird.

Innen ohne Blitz

Das Bild wird durch drei Monitorähnliche Displays erzeugt, die auf dem Simulator sitzen. Mit Spiegeln und Linsen wird so dann das Bild auf eine Art Leinwand hinter den Scheiben geworfen. Natürlich ist die Grafik darauf optimiert, dass die beiden Piloten die optimale Sicht nach draussen haben – ohne Verzerrungen und Kanten. Das hat zur Folge, dass Fotos aus anderen Perspektiven dann manchmal etwas komisch aussehen.

Sicht vom rechten Sitzplatz aus

Hier mal die Sicht vom rechten Platz aus nach vorne. Zu sehen ist die Startbahn 25R am Frankfurter Flughafen. Neben den für die Piloten wichtigen Markierungen der Roll- und Startbahnen sind auch die Bremsspuren der “gelandeten” Flugzeuge zu sehen.

Sicht vom rechten Sitzplatz aus

Der Blick weiter nach rechts zum Terminal hinaus. Natürlich sind in der Simulation noch weitere Sachen als nur Gebäude und Landebahnen eingebaut: Weitere Fluzeuge rollen übers Vorfeld, auf den Autobahn sind stilistisch ein paar Autos unterwegs.

Die Detailtreue ist auf den Airports am größten. Sobald man ein wenig weiter weggeflogen ist, hat wahrscheinlich jeder MS-Flugsimulator eine bessere Grafik, aber diese Simulatoren hier sind ja auch weniger zum Sightseeing, als zum Trainieren gedacht. (Zumal das Wetter doch eh’ in den seltensten Fällen gut ist…das wär doch zu einfach ;))

Simulatorsteuerung

Hier die beiden Touchscreens für den Ausbilder, mit denen die komplette Simulation gesteuert wird. Dies reicht von setzen der Position am Boden oder in der Luft, von Wetterbedingungen (von Sonnenschein bis Gewitter mit Windscherungen ist alles dabei…) bis hin zu diversen komplexen Trainingsszenarien, die bereits eingespeichert sind.

Außerdem muss der Ausbilder neben der eigentlichen Simulatorsteuerung auch noch den Funk mit den Bodenfunkstellen oder die Kommunikation mit der Kabine simulieren – ein echter Multitaskingjob 😉

Aber dazu ein anderes Mal mehr…

Um einen kleinen Eindruck zu bekommen, wie das ganze “in Bewegung” aussieht, noch ein kleines Video:

You need to a flashplayer enabled browser to view this YouTube video

Schade, dass die Dinger so teuer sind. Also sowohl in der Anschaffung, als auch im Unterhalt. Ich glaube, das wär eines der coolsten Spielzeuge, die man als grosses Kind haben möchte…

Übrigens: Wenn ihr selbst auch mal einen “echten” Flugsimulator fliegen wollt, findet ihr hier eine Liste mit Flugsimlatoren in eurer Umgebung.